Herzlich willkommen auf der Dokumentation über die Siedlung Waldesruh bei Berlin
Der Verfasser dieser Seiten ist zu Beginn der 1960er Jahre gemeinsam mit seiner Familie in das damals noch relativ junge Waldesruh an der Stadtgrenze zu Berlin-Mahlsdorf gekommen. Für uns Heranwachsende bot die Siedlung eine Unbeschwertheit, die zu beschreiben heutzutage beinahe unwirklich klingt. Das scheinbar unberührte Waldgebiet mit seinen Schonungen und Wiesen, verkehrsarmen Straßen und menschenleeren Wegen waren einfach ein Eldorado. Nach meiner Zeit im Waldesruher Kindergarten in der Scharnweberstraße, dem Schulbesuch in der damals noch 10. POS (Polytechnische Oberschule) in Mahlsdorf am Erich-Baron-Weg (Die Waldesruher Kinder gingen damals von der 1. bis zur 10. Klasse in diese Schule.), der Berufsausbildung in Lichtenberg, führte mich als Erwachsener das Leben fort aus Waldesruh und beruflich in unterschiedlichste Wohnorte der Republik. Waldesruh bin ich bis heute treu geblieben und besuche es jährlich mehrmals. Für mich allerdings hat sich allein rein optisch mein ehemaliger Heimatort seit dem Ende der DDR durchweg zum Nachteil entwickelt, abgesehen von nun einigen asphaltierten Straßen und gepflasterten Gehsteigen. Nichts ist mehr von der einst ruhigen Beschaulichkeit geblieben. Der Baumbestand wurde gefühlt geviertelt. So mussten unzählige Waldkiefern trotz Baumschutzverordnung dem exzessiven Häuserbau der letzten Jahrzehnte weichen. Waldesruh ist deshalb bedauerlicherweise befremdlich hell geworden, hat praktisch einen erheblichen Teil seines Waldbestandes und damit seinen ursprünglichen Charakter verloren. Man könnte vermuten, dass allein durch Baumfällgenehmigungen die Gemeinde Hoppegarten wohlhabend geworden ist. Von einer Waldsiedlung im eigentlichen Sinn kann keine Rede mehr sein. Unzählige, ursprünglich als Erholungsinsel angelegte Laubengrundstücke verschwanden und wurden zu Wohngrundstücken umfunktioniert. Architektonisch fragwürdige Gebäude, oft völlig zum Siedlungscharakter Waldesruhs unpassend errichtete man im teils mondänen Stil. Auch hier muss man sich berechtigt die Frage stellen, wer in der Gemeindeverwaltung Hoppegarten solche Bauanträge genehmigt hat? Die früheren Gartengrundstücke hat man mehrfach gesplittet, um sprichwörtlich ein Wohngebäude neben und hinter das andere zu platzieren. Innerhalb weniger Jahre stiegen die Quadratmeterpreise in Waldesruh um viele hundert Prozent in praktisch astronomische Höhen. Schätzungsweise zählt nur jedes sechste Haus zum Gebäudebestand aus der Zeit vor 1990. Infolgedessen hat sich natürlich auch die Einwohnerzahl, wie auch der Fahrzeugverkehr seitdem vervielfacht. Zu jeder Zeit und jeder Witterung, ob auf einem Waldpfad, einer Freifläche, einer Straße, einem Gehweg, im Erpetal oder sonst irgendwo, begegnet man heute entweder einen Hundebesitzer, Fahrradfahrer, Dauerläufer, Reiter oder Spaziergänger. Das ist für "alte" Waldesruher eine ungewöhnliche Situation, weil die Siedlung dadurch unruhig überlaufen wirkt und mitunter schon kleinstädtische Züge annimmt. Ehemalige Verkehrswege wie beispielsweise Waldesruh - Ravensteiner Mühle, Heidemühle - Friedrichshagener Chaussee, Köpenicker Alle - Schießplatz - Friedrichshagener Chaussee wurden für den Fahrzeugverkehr zuerst gesperrt, dann beseitigt, später teils überbaut oder für andere Zwecke genutzt. So sind die Fahrzeugführer gezwungen auf die verbliebenen Straßen auszuweichen, die durch den stetig zunehmenden Verkehr, ganz besonders in Stoßzeiten, völlig überlastet sind. Die genannten Umstände haben mich bewogen, seit längerer Zeit Materialien über das frühere Waldesruh zu sammeln, aufzubereiten und in einer kleinen Publikation der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Das gibt alteingesessenen Waldesruhern einen nostalgischen Rückblick, weckt vielleicht hier und da Erinnerungen und neu Hinzugezogenen oder Interessierten Kenntnis von der ehemaligen, im Jahr 1931 angelegten Waldsiedlung, die meines Erachtens ihren Namen seit vielen Jahren nicht mehr verdient hat - "Wald-es-Ruh".
Die hier veröffentlichte Publikation über die Geschichte Waldesruhs mit Informationen, Erlebnissen, Wahrnehmungen und Anschauungsmaterial entstammen den Aufzeichnungen und Schilderungen der 1906 geborenen und bereits verstorbenen Frau Minna Hierse (seit Siedlungsgründung in Waldesruh), des in Waldesruh geborenen Herrn Lothar Weber, der ebenfalls bereits verstorbenen Frau Petra Wysocki, Herrn Peter Becker, Frau Sabina Gerstenberger und einigen anderen Personen, die auf Wunsch namentlich nicht genannt werden wollten, sowie der meiner Familie. Ohne deren Unterstützung hätte die Dokumentation sehr viel weniger informativen Inhalt. Waldesruh besitzt nicht den Stellenwert wie etwa Friedrichshagen oder Köpenick. Deshalb ist es nicht einfach verwertbares Material über seine Vergangenheit zu finden. Vielleicht können und möchten Sie zur Ergänzung dieser Dokumentation beitragen, indem Sie über weiterführende Informationen wie Schriftgut, Beschreibungen, Fotos oder Erinnerungen verfügen. Ich würde mich sehr freuen solche Dinge der Öffentlichkeit hierüber zugänglich machen zu dürfen. Sie können sich gern über das Kontaktformular bei mir melden.